Als der HafenCity RiverBus im Jahr 2016 erstmals vom Asphalt in die Elbe rollte, war er eine Sensation. Ein Fahrzeug, das gleichermaßen Stadtrundfahrtbus und Ausflugsschiff ist – diese Idee schien fast zu gewagt. Heute, neun Jahre später, zeigt sich: Das Konzept hat nicht nur funktioniert, sondern sich als touristisches Highlight fest etabliert. Gründer Fred Franken spricht von einer „absolut richtigen Entscheidung“ und zieht eine positive Bilanz.
Technik: Robust, einzigartig und zuverlässig
Das Fahrzeug basiert auf einem MAN TGM mit 290 PS Straßenmotor. Für den Wasserbetrieb sorgen zwei Steyr-Dieselmotoren mit jeweils 160 PS, die über Jetantriebe arbeiten. Diese Konstruktion macht den RiverBus zu einem weltweit einzigartigen Amphibienfahrzeug: drei unabhängige Motoren sichern den Betrieb.
„Die Jets machen überhaupt keine Probleme“, erklärt Franken. „Wir haben die Technik von Anfang an im Griff gehabt.“ Regelmäßige Wartung gehört zum Geschäftsmodell: Jeden Tag erfolgt eine Kurzprüfung, einmal pro Woche eine sechs- bis siebenstündige Komplettinspektion. Im Winter steht das Fahrzeug für mehrere Monate in der Halle und wird „kosmetisch“ wie technisch aufbereitet.
Korrosionsschutz ist ein Dauerthema, allerdings weniger gravierend als befürchtet. Da das Fahrzeug ausschließlich im Süßwasser der Elbe fährt, bleibt der gefürchtete Salzwassereinfluss aus. „In der Nordsee hätte er diese Jahre wahrscheinlich nicht schadlos überstanden“, so Franken.
Betrieb und Einschränkungen
Die Hamburger Hafenbehörde benötigte vier Jahre, um das völlig neue Konzept zu genehmigen. Die Zulassung ist klar beschränkt: Es gibt lediglich zwei geeignete Rampen in Hamburg, wovon der RiverBus eine exklusiv nutzt. Damit bleibt die Route im inneren Hafengebiet.
Die Tour dauert rund 70 Minuten, führt vorbei an Speicherstadt und Elbphilharmonie – mitten im UNESCO-Weltkulturerbe – und bietet das einmalige Erlebnis, dass ein scheinbar normaler Linienbus ins Wasser fährt. „Für die Fahrgäste ist das der eigentliche Zauber“, betont Franken.
Ein klassisches Hafenrundfahrtgeschäft sei dagegen nie realistisch gewesen. „Der Weg zu den Landungsbrücken wäre schlicht zu weit. Wir sehen uns bewusst als Ergänzung – nicht als Konkurrenz zu den großen Barkassen.“
Zwischenfälle: Selten und beherrschbar
In neun Jahren gab es nur zwei nennenswerte Störungen: einmal einen Bedienfehler beim Umschalten in den Schiffsmodus, einmal eine im Wasser treibende Leine, die sich um die Hinterachse wickelte. In beiden Fällen reagierte das Team professionell, Fahrgäste blieben sicher.
Wachstumsschritt: Zweiter Bus und neue Herausforderungen
Im März 2020 wurde ein zweites Fahrzeug fertiggestellt – diesmal mit Propellerantrieb. Wegen der Pandemie stand es zwei Jahre ungenutzt in der Garage, seit Ende 2023 wird es schrittweise in den Betrieb integriert.
Mit zwei Fahrzeugen steigt der Koordinationsaufwand deutlich. „Es geht nicht nur um Platz an der Haltestelle“, so Franken. „Wir brauchen auch mehr Personal – und zwar nicht einfach Busfahrer, sondern Kapitäne mit Patent.“ Die Lösung: Man rekrutiert Schiffsführer und lässt sie anschließend den Busführerschein erwerben. Ein Beispiel ist Ingo, ehemaliger Tankerschiffer, der heute „in Personalunion“ als Busfahrer und Kapitän unterwegs ist.
Marktposition: Hamburgs Original ohne Konkurrenz
Der RiverBus ist nach wie vor einzigartig in Deutschland. Zwar gebe es gelegentliche Pläne für ähnliche Konzepte in Süddeutschland, doch Franken winkt ab: „Wenn jemand das schafft, hat er es verdient. Der Genehmigungs- und Bauprozess ist derart komplex und langwierig, dass Nachahmer kaum eine Gefahr sind.“
Im Gegenteil: Der RiverBus ist längst Teil des touristischen Portfolios Hamburgs geworden. Die Nachfrage ist hoch, Gästezahlen stabil. „Von zehn Fahrgästen erzählen neun sofort ihren Freunden davon. Das schafft Mundpropaganda, wie man sie sich besser nicht wünschen kann.“
Fazit: Eine strategische Investition in Erlebnistourismus
Neun Jahre nach dem Start hat sich der HafenCity RiverBus zu einem echten Leuchtturmprojekt im Erlebnistourismus entwickelt. Die Verbindung aus technischer Einzigartigkeit, klarer Marktnische und konsequenter Qualitätsarbeit hat das Projekt stabil gemacht.
Für Fred Franken steht daher fest: „Alles richtig gemacht. Es macht Spaß, jeden Tag aufs Neue – für uns und für die Gäste. Und am Ende ist genau das der Kern unseres Erfolges.“
